Datum

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg“


Es ist schon eine beachtliche Zeit vergangen, seit dem Ende des Krieges. Damals hatte mit dem Frieden auch das große Leid vieler Menschen ein Ende. Allerdings gibt es stets die Erinnerungen, welche bleiben und dunkle Schatten von Generation zu Generation werfen. Als wir Jugendlichen des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums den Gedenktag der Kriegsgefangenen miterleben konnten, bezeichnete man uns so bereits als „vierte Generation“. Und auch wenn wir nie direkten Kontakt zu einem Krieg mit ähnlichem Ausmaß hatten, so beschäftigt uns die Gedenkfeier der Toten des Kriegsgefangenenlagers und des späteren sowjetischen Speziallagers noch heute. Während des 2. Weltkrieges waren etwa in dem Stammlager in Müllberg 300 000 Kriegsgefangene untergebracht. Das Speziallager zu Zeiten der UdSSR bestand von September 1945 bis September 1948. In dieser Zeit waren 21 800 Menschen Insassen, wobei es im Durchschnitt etwa 12 000 zur gleichen Zeit waren. Nach sowjetischen Akten starben 6765 Menschen in Mühlberg Ende der 40-er Jahre in dem Lager und das nur wenige Kilometer von uns entfernt. Diese Zahlen sind grausam und hinter jedem Opfer steht eine Familie, mit einer vierten Generation, welche einen Familienangehörigen verloren hat. Es ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft geworden, die Aufarbeitung von Kriegen und Kriegsverbrechen. Es ist die Zeit gekommen, in der keine Menschen mehr leben, die direkten Kontakt zu dem unvorstellbaren Leid haben, das die Menschen damals ertragen mussten. Umso wichtiger ist es, dass Geschehnisse der damaligen Zeit aufgearbeitet werden, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Mit dem Besuch einer Gedenkstätte wird das Ausmaß der schrecklichen Vergangenheit deutlich. Der Tag begann auf dem Friedhof in Neuburxdorf, auf dem der Gefallenen des Kriegsgefangenenlagers gedacht wurde. Uns beeindruckte die Wortgewandtheit der Redner, welche im Laufe dieser Gedenkfeier einige Worte an alle richteten. Durch eine junge Sängerin, welche die Veranstaltung durch eine Reihe wundervoller Lieder umrahmte, wurden aus Worten Gefühle und aus Gefühlen Emotionen. Mit der Kranzniederlegung vor dem Denkmal endete dieser erste Teil der Gedenkfeier und wir begaben uns alle gemeinsam nach Mühlberg, wo der 2. Teil der Gedenkveranstaltung folgen sollte. In Mühlberg beeindruckte uns schon beim Ankommen ein riesiges Holzkreuz, welches mitten auf dem Friedhof stand und ein mächtiges Gefühl vermittelte. Das herausragendste Erlebnis war für uns jedoch der Pfarrer Herr Tietze, welcher uns mit seiner Rede in einen magischen Bann gezogen hat. Die Art, wie er die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft hat und dazu immer die passenden Worte fand, war für den Zuhörer ein Wechselbad aus Gefühlen. Mit seiner sanftmütigen Stimme fühlte man sich sofort mit einbezogen und man hatte das Gefühl, man wisse genau, was damals passiert sei, obwohl wir doch nicht dabei waren. Seine Rede wurde dabei durch einen Posaunenchor unterstützt, welcher durch seine Klänge auch die letzten Gefühlsbarrikaden brechen lies. Den Abschluss dieser einzigartigen Gedenkfeier bildete das Schmücken des Friedhofes mit weißen Blumen, um der Opfern noch einmal in aller Ehrwürdigkeit zu gedenken. Diese ganze Veranstaltung war geschmückt durch Gefühle und Emotionen. Die Worte haben uns, die vierte Generation, an Stellen berührt, wo noch nie Worte hin gedrungen waren. Leider mussten wir auch feststellen, dass diese Gedenkfeiern von nicht allzu vielen Menschen wahrgenommen werden, obwohl es so wichtig wäre. Gerade wir, die vierte Generation, sollten verstärkt an diesen Gedenkfeiern teilnehmen, da sie uns Seiten zeigen können, die einem sonst im normalen Leben verborgen bleiben und helfen können, dass sich solch schreckliche Taten niemals wiederholen, durch ein gestärktes irdisches Verständnis. Denn die Folgen von solch Taten sind oft grausam und haben weitreichende Folgen oder um es mit den Worten von einem Redner zu sagen:
„Die Eltern aßen saure Trauben und den Kindern wurden davon die Zähne stumpf“.

Lena Fellenberg, Mathilde Angelow, Dominic Eube
Geschichtskurs: G3